"NAS" - no age statement & flavour led

NAS, wie die Bezeichnung „no age statement“ gerne abgekürzt wird, oder „flavour led“, wie der weltweit größte Spirituosenhersteller Diageo es nennt, ist die Bewegung im Whiskybusiness, weg von der Alterskennzeichnung, hin zu marketinglastigen Namen und Umschreibungen und damit auch zu einer Verwendung jüngerer Qualitäten, ohne den Verbraucher explizit darauf hinzuweisen.

Barbara Scholl: "QUALITY IN AN AGE OF CHANGE“ war einmal der Werbe-Slogan einer schottischen Whisky-Marke. Pointierter könnte man über den aktuellen "Trend“ wohl nicht fachsimpeln…

Barbara Scholl, Jahrgang 1966, seit 1986 in der Getränke- und Spirituosenindustrie tätig. Zu ihren Stationen zählen Unternehmen wie Rémy Deutschland GmbH, Veuve Clicquot Import GmbH, Semper idem Underberg AG, Diversa Spezialitäten GmbH und aktuell die Fa. Schlumberger. Neben ihrer Expertise in verschiedenen Marketing-Funktionen, derzeit als Marketing Managerin bei der Schlumberger Vertriebsgesellschaft mbH & Co KG in Meckenheim, ist sie mittlerweile spezialisiert auf die Vermarktung von Premium-Produkten aller Art im „alkoholischen Getränkebereich“ (Premium-Spirituosen, Champagner u. Premium-Weine aus der Neuen Welt), und hier insbesondere im Bereich der Wertschöpfungsstrategien und dem klassischen Markenaufbau. Ihr persönliches Steckenpferd und Interesse gilt Menschen, gefolgt von stundenlagen Aufenthalten an zahllosen Bartresen, Genussthemen im weitesten Sinne und dabei immer beeinflusst von ihrem persönlich „wichtigsten“ Protagonisten: dem Whisky!

"Thema NAS – no age statement" von Barbara Scholl

Das Thema ist nun wirklich nicht neu, und über nichts wurde in der letzten Zeit wohl mehr berichtet, als über „NAS“. Alleine die Schlagzeilen, die vielerorts ausgeschlachtet wurden spotten jeder Beschreibung: Man hört vom „Verfall der künftigen Whiskyqualität“ oder gar vom „Niedergang der Whisky-Kultur“. Adé du böse Welt, wo soll all das nur enden? Ein Drama in mehreren Akten. Die Diskussionen, so zahlreich sie sind, empfinde ich als wenig inspirierend. Vielmehr sollte man zunächst einmal rekapitulieren, dass wir noch immer von einem sehr jungen Marktgeschehen sprechen und einer stetigen Entwicklung und Suche nach Vollkommenheit.

Vor über 100 Jahren wurde Malt Whisky in Schottland fast ausschließlich zur Verwendung der Scotch Blended Whiskys verwendet. Seine „Belebung“ und „Wiederentdeckung“ als Single Malt, als das individuelle Produkt einer einzigen Destillerie, vollzog sich doch eigentlich erst vor etwa 40 Jahren. “Normale” Malts hatten dann irgendwann eine Altersangabe und waren i.d.R. zwischen 10 und 18 Jahren alt – wobei sich durchaus beobachten ließ, dass sich 12 Jahre irgendwie als „Standard“ etablierte. Alle Abweichungen von dieser „Regel“, würde man dann folglich als Spezialität, oder auch Rarität, bezeichnen können: - Malts, die über 18 Jahre alt sind, - Malts, die aus einem bestimmten Jahrgang stammen, sog. Vintages - Malts, von denen nur der Inhalt eines Fasses abgefüllt wird, also Single Casks - Malts, in ihrer originalen Faßstärke (cask strength) - Malts, mit besonderem finishing.

Immer mehr Genießer und Genußmenschen sind von Malt Whisky fasziniert und entdecken seinen unvergleichlichen Reiz. Aber woher kommt diese Attraktivität? Ich denke, es sind verschiedenste Faktoren, die Whisky zu einem einzigartigen Genußmittel machen:

1. An erster Stelle ist wohl seine Vielfalt zu nennen: Jede Whiskybrennerei ist in der Lage einen individuellen und unverwechselbaren Whisky herzustellen und durch verschiedene Altersstufen, Lagerung in unterschiedlichen Fässern etc. zusätzlich eine große Anzahl von Varianten anzubieten. Das macht es möglich, zu jeder Gelegenheit einen passenden Malt Whisky zu finden. Wichtiger als all das, ist das, was sich in den Jahren der Reifung im Fass und mit dem Fass selbst abspielt. Ein Tatbestand, der das „Wood Management“ über Jahre hinweg zu einem wichtigen Faktor hat werden lassen.

2. Zweitens, sein Aroma: ich behaupte, dass sich keine andere Spirituose durch eine derart überwältigend große Bandbreite von Aromen auszeichnet. Und das kennzeichnet sowohl „die Nase“ wie auch den Geschmack. Und wer lässt sich nicht gerne von der Abfolge verschiedenster Geschmacksnuancen bei der Verkostung faszinieren?

3. Whisky hat tatsächlich so etwas wie eine „Aura“: und hierbei kommen wir m.E. auf das Hauptanliegen der Whisky-Macher zurück, das wohl all jene Experten vergessen haben, die sich gerade so lauthals beklagen. Was macht denn den Charme eines Whiskys eigentlich aus? Warum beschäftigen sich so viele Menschen mit Whisky? Und warum beschäftigen sich aktuell gerade so viele junge Menschen mit Whisky und lassen sich faszinieren? Gottlob lassen sich tatsächlich neue Konsumenten am Horizont erkennen, die sich freudig, neugierig und endlich wieder „genuss-orientiert“ mit dem goldenen Tropfen auseinander setzen. Teilweise ohne jegliche Erfahrung und Expertenwissen, aber dankbar für die unerhört fröhlichen Genuss-Momente, die neben der Geschichte des Whisky, seiner Herkunft und den Anekdoten seines Erschaffens für jene Faszination sorgen, die bei allen selbsternannten Experten ein wenig in Vergessenheit geraten scheinen.

4. Heute treffen wir auf ein Publikum, das auf Individualität und Qualität schwört. Für mich die wichtigsten Attribute überhaupt, die ein Whisky mitbringen sollte. Whisky ist ein vollkommen naturbelassenes Produkt; eines der wenigen, die diesen Anspruch für sich erheben dürfen und sein Ursprung liegt in einem Land mit großer Vergangenheit und beeindruckender Landschaft, die jeden einzelnen Whisky prägen.

Müssen wir nicht vielmehr dem Umstand Rechnung tragen, dass sich selbsternannte Experten immer gerne über das echauffieren, woran sie selbst nicht unerheblich beteiligt waren? Wer oder was bestimmt den eigentlich das Marktgeschehen? Wer hat den größten Einfluss an der Meinungsbildung? Einerseits mögen mancherorts die Bestände an „älteren“ Einzelwhiskys zur Neige gehen, andernorts stehen sie - oder nein, vielmehr können sie gar nicht zur Verfügung stehen, da die Brennereien hierfür noch viel zu jung sind.

Über was genau reden wir also eigentlich. Jeder Master Blender greift i.d.R. auf einen großen Fundus an gereiften Einzelwhiskys zurück, um aus diesen einen einzigartigen Whisky (z.B. einen mindestens 18-jährigen Single Malt) zu komponieren. Das Problem in diesem „Konzert“ ist, dass er für jede Charge, die er zusammenstellt, die Inhalte neu definieren muss. Bei einem 18-jährigen Single Malt, ist per Gesetz das jüngste Destillat 18-Jahre – meist enthält er immer auch deutlich ältere Destillate, die in gut und gerne auch doppelt so alt sein lassen können. Das bedeutet aber auch, jede Abfüllung mit Altersangabe reduziert die Bestände an lang gereiften Destillaten. Die Nachfrage stieg in den letzten Jahren beachtlich. Jede noch so kuriose Abfüllung mit Altersangabe fand einen Weg auf die internationalen Märkte (nicht ausschließlich nach Deutschland; noch so ein Punkt am Rande der Diskussion…). Und die Welt der „Experten“ huldigte dieser Welle mit einer immer größeren Nachfrage.

Aber bedeutet NAS wirklich „ohne Alter“ – nein, natürlich nicht. Von mindestens drei Jahren kann man ausgehen; im Durchschnitt sind es 8-10 Jahre. Dabei erinnere ich mich an eine Whiskymesse vor einigen Jahren und der Frage eines „Whisky Nerds“: "Was gibt es den neues an „alten“, „besonderen“ Abfüllungen? Was mit Alter!" Die Antwort eines Markeneigners: „Nothing – but tell me, what’s wrong with what we have?“ Der Besucher blieb eine Antwort schuldig. Aber genau das schildert vortrefflich die überzogene „Jagd“ nach dem „BESONDEREN“ und nach Produkten, die eigentlich vielerorts gar nicht mehr verzehrt werden, sondern eher in einer Vitrine landen und möglicherweise den Schrein der Anbetung nie werden verlassen dürfen.

Natürlich müssen Industrie und Konsumenten umdenken. Vielleicht auch dahin gehend, sich wieder einmal mehr dem reinen und unverfälschten Genuss zuzuwenden. Freude soll es bereiten, Whisky zu trinken. Es galt einmal „gesetzt“ ein guter Single Malt müsse mindestens 12 Jahre tragen. Die Experten sprachen, also gab es bald keine Produkte mehr unterhalb von 12 Jahren. Ein Beispiel hierfür: die Marke Glenfiddich; das „Age Statement“ für das „Flaggschiff“ wurde übrigens im Jahr 2000 eingeführt. Ja gab es denn seinerzeit schon „NAS“? Ja – gab es! Wow, mag man nun denken, das ist doch gar nicht so lange her. Genau – ist es auch nicht. Der Markt, über den wir hier sprechen, ist ein sehr junger Markt, der immer von Wachstum geprägt war.

Was passiert aber, wenn Märkte stetig wachsen, und die Dynamisierung dieses Wachstum zuvor nicht geplant werden konnte? Und lässt sich dies überhaupt so akribisch planen? Was passiert, wenn sich der Markt anders verhält? Man hat sich vom „antrainierten Jagdverhalten“ des Konsumenten anstecken lassen und muss nun möglicherweise feststellen, dass nicht jede Wachstums-Strategie bis ins Unendliche funktioniert. Und auch das liegt in der Natur der Dinge. Nehmen wir doch einmal das Beispiel der Natur. Sie ist verschwenderisch, sie agiert im HIER und JETZT, sie plant nicht. Und vielleicht liegt die Magie der Zukunft darin, sich genau hiervon inspirieren zu lassen. Kommen wir einmal ganz gezielt auf das Themenfeld „der jungen“ Brennereien zu sprechen. Hier gibt es mittlerweile eine Vielzahl an imposanten Beispielen kreativer Arbeit und im Sortiment der Schlumberger Vertriebsgesellschaft befinden sich einige Beispiele hierzu: Benromach Single Speyside Malt Scotch Whisky, The Irishman Irish Whiskey und Penderyn Single Malt Welsh Whisky. Was sollten diese jungen Unternehmen denn anderes produzieren als junge Whiskys ohne Altersangabe?

Ein entscheidender Punkt ist doch, dass sich eine NAS-Abfüllung, die sich ausgewogen und in ihrer Stilistik sauber präsentiert nach meinem Dafürhalten durchaus präferieren lässt. Einer der Gründe, warum ich schon vor langer Zeit dem Whisky „verfallen“ bin liegt in der Inspiration der Menschen, die diesen Stoff herstellen; die Geschichte und Geschichten hinter den Kulissen; das immer wieder aufs Neue erforderliche handwerkliche Können; die Inspiration und die Intuition, die mit dem Entstehen dieser köstlichen Tropfen einhergehen. Verteufeln mag, wer sich der Evolution verschließt. Ich wiederhole mich gerne: Quality in an age of change. Die Welt verändert sich, Dinge entwickeln sich weiter – warum nicht auch der Whisky. Das bedeutet doch nicht gleichzeitig, dass die Qualität leiden muss. Und was bedeutet eigentlich Qualität? Nach Definition eines Wirtschaftslexikons definiert Qualität eine Übereinstimmung von Leistungen mit Ansprüchen. Ansprüche stellen Kunden, Verwender (Konsumenten /Produzenten), Händler und Hersteller. Aha – also sind wir selbst schuld an dem Dilemma? Haben wir denn ein Dilemma? Entscheidend ist doch, welche Ansprüche vor dem Hintergrund der individuellen Anforderungsprofile wahrgenommen werden und tatsächlich wichtig sind. Wir können das im vorliegenden Falle schwerlich mit naturwissenschaftlich-technischen Methoden messen; wir haben es hier mit einer „Anmutungsqualität“ zu tun, und die kann jeder nur für sich selbst beurteilen und qualifizieren.

Wir leben (glücklicherweise) nicht mehr im Mittelalter, wo jegliche Innovation einer „Revolution“ oder einem „Sakrileg“ gleich gesetzt wurde. Entscheidend ist, die hohe Kunst des Genusses und der Lebensfreue wieder zu beleben und neu zu vermitteln. Es geht darum die Leidenschaft und den Enthusiasmus all jener zu vermitteln, die diesem Getränk Leben einhauchen.

Mein Wunsch daher für die Zukunft und allen Unkenrufen zum Trotz: es lebe die Freiheit und die überschäumende Freude an vollkommenen Genuss-Momenten, und die dürfen auch gerne ohne Age Statement daher kommen:

• Also für mich ganz klar ein JA zu sog. NAS-Whiskys.

• Für mich ganz klar ein JA zu mehr Experimenten rund um das Thema Fass (Madeira, Rotweinfässer und    andere Holzarten), verschiedene Ursprünge von Holzarten (spanische Eiche, französische Eiche, deutsche Eiche, …).

• Für mich ganz klar ein JA zu mehr Experimenten mit den Rohstoffen (Gerste, Roggen, Weizen, Mais; gemälzt oder ungemälzt – als Einzelwhiskys oder als Blend).

• Für mich ganz klar ein JA zu Experimenten mit Produktionsarten: ein Beispiel hierfür ist Penderyn mit der einzigartigen Faraday-Brennblase, die ein hochfeines Gerstendestillat von über 90% ABV ermöglicht.

Ich denke die kreative Spielwiese bietet hier noch verschiedenste Möglichkeiten, sofern die Anhänger und Experten dieser Industrie bereit sind, nicht jede neue Entwicklung sofort als „Sakrileg“ abzutun und „als Niedergang der Whisky-Kultur“ zu verteufeln. Über Geschmack lässt sich bekanntlich nicht streiten – er ist Individualist und der schottische Dichter Robert Burns sagte einst: „Freiheit und Whisky gehören zusammen“. ['Whisky and freedom gang thegither']. So soll es sein und auch bleiben. Schande also über den, der Freigeist schmäht oder verteufelt und ein Wohl auf die, die sich ihre eigene Meinung bilden.

Slàinte!

Helmut Knöpfle: "Der Verbraucher wurde über mehrere Dekaden von den Schotten dahingehend erzogen, die Altersangabe eines Whiskys als fast ausschliessliches Qualitätsprädikat zu verinnerlichen!"

Helmut Knöpfle, Jahrgang 1966, ist seit 1989 tätig im vertriebsorientierten Marketing der Getränke- und Spirituosenindustrie. Zu seinen Stationen zählen Unternehmen wie Coca-Cola, Bacardi, Jack Daniel´s, Schlumberger und aktuell die Campari Deutschland GmbH. Kennengelernt hat Helmut Knöpfle seit dieser Zeit mehr als 3.000 Restaurants, Bars, Hotels, Fachgroß- und Einzelhändler, Arbeitsweise, Credo, Erfolg und manchmal auch Misserfolg. Spezialisiert ist Knöpfle auf die Vermarktung von Premium-Spirituosen. Sein Interesse gilt der Gastronomie und dem Fachhandel, also die Orte, wo erklärungsbedürftige, exklusive und hochpreisige Produkte verkauft werden. Als Dozent, Seminarleiter und Experte für Whisky, Grappa und Rum im Hause Campari blickt er deutschlandweit auf über 2.000 Seminare zurück, in denen er sein Wissen an Teilnehmer der Campari Academy, Berufsschüler, Fach- bzw. Verkaufspersonal und Endverbraucher weitergibt. 2010 erschien sein „Praxishandbuch Bar & Gastronomie – die besten Strategien für ihren Erfolg“.

"Thema NAS – no age statement" von Helmut Knöpfle

Die Aussagen der Brennereien mögen richtig sein und auch ihre Berechtigung haben: Nicht das Alter eines Whiskys ist entscheidend, sondern seine Reife. Duft und Geschmack können durchaus auch bereits vor dem 12., 15. oder 18. Reifejahr erreicht worden sein. Dem können professionelle Verkoster oder diejenigen, die sich intensiv mit Whisky beschäftigen, meist zustimmen.

In Kennerkreisen hat sich nun herumgesprochen, dass die schwindenden Lagerbestände aufgrund der hohen Nachfrage zum NAS zwingen. Der Genießer, welcher an ein oder „sein“ Lieblingsalter gewöhnt ist, sein bevorzugtes Produkt aufgrund der NAS-Umstellung nicht mehr bekommt, mag nun verunsichert, vielleicht sogar verärgert sein, denn eine langjährige Gewohnheit aufzugeben, ist in manchen Fällen eben nicht einfach. Glücklich können sich Brennereien schätzen, die in vergangenen Jahren vorausschauend (viel) produziert haben, um nun weiterhin Whisky mit Altersangabe auf den Markt bringen zu können. Für den Laien wird dies wohl noch einige Jahre die beste Art sein, zumindest das Alter als Verbindung mit Qualität für sein eigenes Empfinden sicherzustellen. Schwieriger im Verständnis wird es allerdings, wenn es zunächst um die Sicht des Konsumenten geht.

Der Verbraucher wurde über mehrere Dekaden von den Schotten dahingehend erzogen, die Altersangabe eines Whiskys als fast ausschließliches Qualitätsprädikat zu verinnerlichen. Egal, ob man im Lebensmittelhandel, im Fachhandel oder in der Gastronomie unterwegs war, die überwiegende Anzahl der Flaschen (nicht nur) aus Schottland trug eine leicht zu erkennende Zahl, die das Alter des Inhalts zeigte.

Was dem NAS hilft ist folgendes: In den unzähligen Whisky Tastings, die in Deutschland stattfinden, ist klar zu erkennen, dass sich eine Verjüngung des Publikums vollzieht. Dieser neue Kreis von heranwachsenden Genießern mit einem Alter von unter 30 Jahren, hat noch eher wenig Erfahrung in der Mannigfaltigkeit des Themas Whisky. Vom ersten Kontakt an werden NAS Varianten positiv erlebt und auch so bewertet - ohne Vorurteil des fehlenden Alters auf dem Etikett. Für NAS Varianten durchaus eine Chance, ohne große Reibungsverluste eine neue Generation von Genießern zu kreieren. Letztendlich bleibt der persönliche Geschmack der entscheidende Faktor.

Meine Bitte an jeden, der Whisky genießt: lassen Sie sich nicht von irgendwelchen Vorbildern, selbsternannten Whisky-Gurus oder sonstigen Vorgaben in die Irre führen. Entscheiden Sie selbst, welcher Whisky Ihnen persönlich schmeckt. Nur weil der Whisky 30 oder mehr Jahre alt ist, muss das nicht zwangsläufig bedeuten, dass Ihnen dieser persönlich schmeckt und Sie zudem noch bereit sind, dafür mehrere Hundert Euro auszugeben. Ein schottisches Gersten-Destillat, welches nach mindestens 3 Jahren Lagerung in einem Holzfass zum Whisky heranreift, kann innerhalb weniger Tage als Rohdestillat hergestellt werden. Der Charakter, den die Distillery pflegt, ob nun torfig, malzig oder floral, ist in jungen Jahren der Reife deutlich erkennbar. Lagert dieses Destillat über mehrere Jahrzehnte, so wird der Einfluss des Holzes dominanter und seine Ursprünglichkeit gerät in den Hintergrund. Der Einsatz verschiedener Fässer, die Dauer, die Fass-Stärke, das Mikroklima der Lagerstätte, die Dauer der Lagerung, die Trinkstärke, sind nur einige der Komponenten, die Einfluss nehmen auf dieses einzigartige und doch so mannigfache Getränk.

Jeder Genießer sei angehalten, für sich selbst, persönlich und ohne Einfluss von anderen zu entscheiden, welche Präferenzen persönlich bevorzugt werden. Whisky ist ein unerschöpfliches und wunderbares Thema, über das man meiner Meinung nach nicht diskutieren kann, allenfalls philosophieren.

Thomas Plaue: "Am Ende kann niemand ein Etikett trinken, sondern immer nur den Inhalt einer Flasche!"

Thomas Plaue ist in erster Linie Whiskyenthusiast und Connaisseur, der bereits in den späten 90ern seine Liebe zu Single Malt Whiskies entdeckte. Mehr als zehn Jahre ist er Teil des Mentoren-Teams Diageos, dass in Deutschland die Classic Malts repräsentiert. Seit 2014 zeichnet er bei der deutschen Niederlassung des weltgrößten Spirituosenkonzerns, als Master of Whisky, für alles verantwortlich, was mit dem Thema Whisky zu tun hat.

"Flavour led – Whisky ohne Altersangabe" von Thomas Plaue

Scotch Whisky ist eine der vielseitigsten Spirituosen der Welt. Von den Anfängen als Medizin, bis zur Premium Spirituose heute, war es ein langer Weg. Doch was macht einen guten Whisky aus?

Viele Enthusiasten würden hier sagen: Eine lange Lagerung. Tatsächlich gilt seit vielen Jahren: Je älter ein Whisky ist, desto besser ist er. Mit dieser „Weisheit“ war es bisher einfach einen vermeintlich guten Whisky zu erkennen, nämlich an der Zahl auf dem Etikett. Seit einiger Zeit findet man jedoch vermehrt Whiskies beim Händler seines Vertrauens ohne eine konkrete Altersangabe. Diese Whiskies werden umgangssprachlich als NAS – No Age Statement – oder auch Flavour led bezeichnet. Oft wird diesen Abfüllungen unterstellt, hier kommen ausnahmslos sehr junge Whiskies zum Einsatz. Diese werden gefühlt auch noch zu höheren Preisen angeboten und am Ende verhindert jede Flasche NAS eine Flasche alten Whisky.

Seit Ende der 90er wächst die Anhängerschaft des Scotch Whisky stetig. Daraus resultiert eine erhöhte Nachfrage, vor allem in Asien, Südamerika, Russland und Afrika, die in dieser Form nicht mehr befriedigt werden kann. Das Ergebnis sind steigende Preise und Engpässe bei der Verfügbarkeit. Um hier gegen zu steuern, bringen Whiskyproduzenten vermehrt Whiskies ohne eine Altersangabe auf den Markt. Auch wenn das gefühlt ein neues Phänomen ist, gab es diese Abfüllungen schon immer. Vor 1970 hatten die wenigsten Brennereien eine Altersangabe auf der Flasche. Und auch danach war es nicht ungewöhnlich kein Alter anzugeben. Johnnie Walker Blue Label und Royal Lochnagar Selected Reserve sind hier nur zwei Abfüllungen, die bereits seit den 90ern lediglich durch ihren Geschmack überzeugen.

Tatsächlich ist es für die Brennereien relativ schwer, hier alternativ zu reagieren. Man kann nicht einfach die Produktionsmenge, ohne große Investitionen erhöhen, da dies zwangsläufig den Charakter des Whisky verändern würde. Und selbst dann müsste der Whisky die entsprechenden Jahre reifen, um hier eine bestimmte Zahl auf dem Etikett zu haben. Der Geschmack eines Whisky wird durch den New Make Charakter und die Lagerung bestimmt. Während man den Charakter des New Makes durch die Gegebenheiten des Ausgangsmaterials, der Brennerei und dem handwerklichen Geschick relativ leicht beeinflussen kann, ist der Einfluss der Lagerung nur bedingt vorhersagbar. Dabei macht die Reifung im Fass etwa 60 – 70% des endgültigen Geschmacks eines Whisky aus.

Deshalb kommt es bei der Kreation eines Flavour Led Whisky auch gezielt auf die Auswahl der richtigen Fässer an. Grundsätzlich passieren im Fass drei Dinge: Zum ersten geht etwas verloren. Unreife Aromen werden über die Lagerzeit hinweg abgebaut. Dies nennt man subtrative Reifung. Zum zweiten kommt etwas hinzu. Das sind Aromen aus dem Holz wie Tannine und Vanillin. Das nennt man additive Reifung. Das dritte ist die interaktive Reifung. Die Aromen harmonisieren sich. Der Übergang zwischen ihnen wird fließend, harmonisch. Ecken und Kanten werden „abgeschliffen“. Während die additive und die subtraktive Reifung durch den Einsatz erst befüllter oder ganz frisch aufgearbeiteter Fässer beschleunigt werden kann, braucht vor allem die interaktive Reifung Zeit. Hier ist für viele Whisky Hersteller der Ansatzpunkt für einen Flavour Led Whisky. Oft werden für eine solche Abfüllung jüngere Whiskies aus frisch aufgearbeiteten Fässer, mit älteren Whiskies aus wiederbefüllten Fässern kombiniert. Die Jungen haben bereits nach wenigen Jahren eine enorme Aromenvielfalt. Durch ihre Jugend bringen sie aber auch Kraft und Charakter mit. In wiederbefüllten Fässern braucht der Whisky deutlich mehr Zeit um einen ähnlichen Reifestand zu erreichen. Er bringt dafür Ruhe und Komplexität mit. Durch die Kombination erhält man einen ausgewogenen Whisky, der schneller nachproduziert werden kann. Diese Whiskies sind meist auch noch sehr zugänglich „designt“.

Kenner vermissen hier manchmal die ausgeprägte Komplexität eines lange gelagerten Whisky. Für Einsteiger hingegen sind sie angenehm und ausgewogen. Um noch einmal auf die Vorurteile vom Anfang einzugehen: In Flavour Leds kommen junge Whisky zum Einsatz. Jedoch nicht ausschließlich. Junge und alte Whiskies zusammen kombinieren Kraft und Charakter mit Eleganz und Ruhe und ergeben so eine Harmonie. Preislich sind sie meist nicht teurer, als der vergleichbare Whisky mit Altersangabe. Außerdem werden Sie mit den gleichen Ausgangsmaterialien und eben soviel Sorgfalt hergestellt.  Die Aufbereitung eines Fasses ist meist kostenintensiver als eine lange Lagerung, weshalb hier nicht automatisch von einem günstigeren Preis ausgegangen werden kann. Am Ende bedeutet der Einsatz jüngerer Fässer, dass eine Brennerei nicht mehr ganze Jahrgänge für einen Whisky mit einer bestimmten Altersstufe verbrauchen muss. Das erhöht zwangsläufig die Verfügbarkeit von alten Whisky.

Alles in allem, sollte man Flavour Led Whisky als das sehen, was sie sind, eine interessante Erweiterung des Spektrums einer Destillerie. Auf jeden Fall verdienen Sie es probiert zu werden. Denn am Ende kann niemand ein Etikett trinken, sondern immer nur den Inhalt einer Flasche. Und hier muss jeder für sich selbst entscheiden, ob ihm dieser Whisky schmeckt, oder nicht. Oder wie Ronnie Corbet mit weisen Worten gesagt hat: „Der allgemeine Glaube, dass Whisky mit dem Alter besser wird ist wahr, je älter ich werde, desto besser schmeckt er mir.“

Andrea Caminneci: "Ein schlechter Whisky bleibt ein schlechter Whisky, ob er 4 Jahre im Fass lagert oder 20!"

Andrea Caminneci wurde 1966 im Rheinland geboren. Er betätigte sich nach Abitur und Lehre zum Bankkaufmann bereits ab 1987 im Bereich der Gastronomie. Besonders während seiner Tätigkeit als Barchef und als späterer F&B Manager in Italien, Anfang der 1990er Jahre, konnte er viele Erfahrungen und Kenntnisse rund um den schottischen Whisky sammeln. Diese sollten ihm in den kommenden Jahren zugutekommen und den weiteren Berufsweg erheblich beeinflussen. 1996 nach Deutschland zurückgekehrt, war er beim Meckenheimer Feinkost Lieferanten Rungis Express für den Vertrieb so namhafter Whiskys wie Macallen, Bunnahabhain und Highland Park zuständig. Im Jahr 2000 wechselte Caminneci dann zunächst als Verkaufsleiter, später auch als Produkt Manager für Whisky, zum Meckenheimer Importeur Schlumberger, wo er den Absatz der Marken Morrison Bowmore, Suntory und Blanton's in ungekannte Höhen führen konnte. Im Jahr 2005 folgte dann der Schritt in die Selbstständigkeit. Heute gehört "Caminneci Wine & Spirit Partner" zu einem der klangvollsten Namen auf dem deutschen Markt, wenn es um unabhängige Abfüllungen geht und seine C & S Dram Collection darf bei keinem Whiskyhändler, der etwas auf sich hält, und keiner Whiskybar fehlen. Andrea ist, ob seiner Verdienste um den schottischen Whisky, Keeper of the Quaich.

 

"NAS – no age statement & flavour led...der Untergang der Whiskykultur?" von Andrea Caminneci

 

Seit Jahren tobt unter Whisky Freunden eine erbitterte Diskussion zum Thema „No Age Statement“, wenig liebevoll „NAS“ abgekürzt, also Whisky Abfüllungen, die ohne eine Angabe des Alters auf den Markt gebracht werden. 'Preistreiberei', 'Qualitätsverfall', 'Betrug am Genießer', 'mangelnde Seriösität', 'Marketinggequatsche' und ähnliche „schmeichelhafte“ Bewertungen müssen sich Händler, Brand Manager, Importeure und Produzenten anhören.

Meine persönliche Meinung zu diesem Thema ist ein wenig zwiegespalten. Verstehen kann ich durchaus, wenn ein Whiskyliebhaber plötzlich, statt seines gewohnten 12jährigen GlenMacmore einen GlenMacmore ohne Altersangabe vorgesetzt bekommt, dieser ihm nicht schmeckt, er aber statt bisher 35 Euro für den 12 jährigen, 34,99 für die alterslose Abfüllung bezahlen soll. Das erinnert an die Lebensmittelverpackungen, bei denen statt 100 Gramm plötzlich nur noch 85 Gramm in der Schachtel sind, aber der Preis gleich bleibt.

Nicht verstehen kann ich allerdings  allgemeine Generalverurteilungen und Aussagen á la „Da sind nur junge Whiskys drin, die taugen alle nichts!“ Was garantiert mir denn das Alter von 10, 12, 15 oder gar 30 Jahren auf der Flasche? Doch nur, dass dieser Whisky mindestens jene Anzahl von Jahren in einem Fass gelegen hat....nicht aber, dass er automatisch gut ist. Ein schlechter Whisky bleibt ein schlechter Whisky, ob 4 Jahre im Fass gelagert oder 20.

Wir füllen in unseren C&S Dram Serien nun ausschließlich Einzelfässer ab, bei denen ich nicht durch "vatten" (Anm. der Redaktion: Wie beim Blend, werden auch beim Vatted Whisky Scotch Single Malts aus verschiedenen Destillerien zu einem neuen Produkt gemischt. Im Gegensatz zu einem Blend darf aber der Vatted Whisky nicht den deutlich günstigeren Grain Whisky enthalten.) vieler Fässer einen bestimmten Charakter erreichen muss oder will, sondern nur eine Momentaufnahme. Dieses Fass hat genau in diesem Moment einen Geschmack der mir gefällt! Für 170 Abfüllungen die wir bisher ins Fass gebracht haben, habe ich sicherlich weit über 1000 Fässer probiert, dazu ungezählte Fässer für Händler-, Messe- und Clubabfüllungen und reichlich Fassmuster von Destillen. In über 15 Jahren, in denen ich nun die Chance habe Whiskies direkt vom Fass zu verkosten, habe ich viele tolle junge Whiskys mit nur 6, 8 oder gar 4 Jahren probiert, aber auch viele sehr schwache 12, 15 oder auch 42 jährige. Das Alter ist nicht wirklich eine Garantie für Qualität! Auch ein 30 jähriger Tropfen kann sprittig sein, eindimensional oder extrem kurz im Finish. Gerne können, nach so langer Fassreife, auch die Tannine und Holznoten alles whiskytypische mit kräftiger Bitterkeit übertünchen. Jung heißt auch nicht automatisch unreif, alkoholisch oder flach. Ein toller Spirit in einem exzellenten Fass kann auch nach 4 Jahren schon einen perfekten Whisky entstehen lassen! – und das nicht nur in Taiwan, Indien oder Kentucky, sondern auch in Dufftown, Aberlour oder auf Islay!

Aufgrund der insgesamt steil aufwärts gehenden Preise für Fässer in Schottland, sind wir aktuell lieber bereit einen 6 oder 7 Jahre alten Single Malt, der uns richtig gut gefällt, für 45 -50 Euro Endverbraucherpreis abzufüllen, als einen mittelmäßigen 13 jährigen für 80 Euro! Das kostet uns mehr Zeit, da wir wahrscheinlich mehr Fässer probieren müssen, rechnet sich am Ende aber, durch gute Akzeptanz am Markt. Sicherlich ist die Wahrscheinlichkeit unter 100 Fässern 12 Jahre alten Whisky 40 tolle zu finden größer als bei 100 Fässern 5jährigen. Aber das ist die Aufgabe der Profis aus den Destillen, eben auch tolle junge Fässer für Ihre Batches auszuwählen. Und das tun sie ja nicht erst, seit es einen Engpass von über 12jährigem Whisky in Schottland gibt, also seit 2011.

Schon lange gibt es viele NAS Abfüllungen auf dem Markt, die sich sogar oft größter Beliebtheit erfreuen, grade auch unter den jetzigen NAS Verächtern. Bowmore Legend, Darkest, Dusk, Dawn, oder gar Voyage und Claret hatten nie eine Altersangabe...besonders Letztgenannte werden heute mit mehreren hundert Euro gehandelt. Aberlour A Bunadh ist mit die bestverkaufte Abfüllung dieser Destille, der Laphroaig Quarter Cask ein Geheimtipp unter Kennern, Balvenie Tun 1509 eine Legende. Dalmore Cigar Malt, die Glendronach Cask Strength Batches, Glenlivet Nadurra, Ardbeg Corryvreckan und Uigedail, Glenmorangie Tusail...die Liste ließe sich stundenlang fortführen....lauter NAS, die es seit Jahren gibt, und die am Markt höchst beliebt sind.

Iain MacCallum, seinerzeit Master Blender bei Morrison Bowmore hat mir vor vielen Jahren mal erklärt, warum er den Bowmore Legend der 8 Jahre alten Version für Italien vorzieht: Wenn der Batch vom Legend mal zu langweilig ist, kann er noch zwei, drei Fässer ruppig frechen 5 jährigen zugeben, und schon hat er einen tollen Whisky. Beim 8 jährigen hat er diese Möglichkeit nicht. Wenn ich aber einem Batch aus 30 Fässern 8-12 jährigen Whiskies 2 Fässer 3- oder 4- jährigen beigebe, so bin ich gesetzlich verpflichtet diesen als 3- oder 4- jährigen zu kennzeichnen, wenn ich denn ein Alter angeben will! Ganz ehrlich, ich würde da auch nicht 3 Jahre drauf schreiben, sondern lieber einen Fantasienamen ohne Zahl.

Wirtschaftlich ist das NAS Phänomen eher leicht zu erklären: Es gibt in Schottland ein großes Loch bei den 10 – 20 Jahre alten Whiskies, die nun mal gebraucht werden, um 10, 12 oder 15 Jahre alte Abfüllungen abzufüllen. Die Destillen sind nicht in der Lage, die benötigten Mengen der entsprechenden Abfüllungen zu liefern. Jetzt gibt es vier Möglichkeiten:

1. Ich, der Produzent, stelle den 12 jährigen ein bis ich wieder genügend Fässer habe, um ihn in entsprechenden Mengen zu liefern. Der Umsatz geht gen 0, dazu verärgere ich jede Menge unzufriedener Kunden, weil die ja mein Produkt nicht mehr bekommen, wohlmöglich wandern sie sogar zu Mitbewerbern ab.

2. Ich mache weiter wie bisher, liefere aber nur noch in limitierten Mengen und verkaufe dann eben nur 50 % der bisherigen Menge, womit ich wahrscheinlich 50 % unzufriedene Kunden zurücklasse, die eben keine Flasche kriegen.

3. Ich nehme vorhandene 3 - 10 jährige Fässer dazu und verkaufe die gleiche Menge wie bisher, dann aber als NAS und vielleicht nur zu 80 % des Preises. Ich riskiere damit 20 % unzufriedene Kunden, weil denen eben der NAS nicht so schmeckt wie der 12 jährige. Das muss dann jeder für sich selber ausrechnen, was ertragsmäßig passt.

4. Ich produziere geringeren Mengen meines bisherigen Whiskys und gebe diesen nur noch an meine Top- Märkte & -Kundengruppen, für den Rest stelle ich einen jüngeren NAS Whisky her, der günstiger ist. Dieses junge Produkt wird dann aber praktisch nur jungen Whisky enthalten, weil ich ja die vorhandenen 10 und mehrere Jahre alten Fässer für mein altes Produkt brauche.

Nun muss jede Destille, bzw. jeder Konzern entscheiden, was am sinnvollsten ist. Eine große Frage bleibt: Was geschieht in 3-5 Jahren, wenn, aufgrund der gestiegenen Produktion seit ca. 2008, wieder jede Menge Fässer im älteren Bereich da sind? Sind bis dahin die NAS so populär und erfolgreich, dass man sie beibehält, sie aber vielleicht wieder „älter werden“? Werden die "no agers" wieder durch 10, 12 und 15 jährige ersetzt? Oder wird es beides nebeneinander geben? Das wird uns die Zukunft zeigen. Auch die vermeintliche Preistreiberei bei NAS Abfüllungen ist gar nicht so sehr gemeine Konzernpolitik, wie viele denken. Der Pfund Kurs ist in den letzten zwei Jahren, im Vergleich zum Euro, um über 20 % angestiegen. Wenn also jetzt ein 12jähriger für 25 Euro vom Markt genommen wird, dessen Preis in den letzten 5 - 10 Jahren kaum nach oben korrigiert wurde und dafür eine NAS Abfüllung für 22,90 Euro kommt, so mag das als Preistreiberei erscheinen, faktisch ist es aber nur eine längst überfällige Anpassung der Euro Preise an den gestiegenen Pfundkurs!

Fazit: Mit Sicherheit haben wir durch den Trend zu NAS - Abfüllungen nicht den Untergang des Abendlandes zu befürchten. Wenn die Destillen mit guten Fässern arbeiten, diese sorgfältig selektieren und blenden, so können sie tolle Abfüllungen auf den Markt bringen, die jeden Whisky Trinker erfreuen werden. Dazu gehört natürlich auch eine vernünftige Preispolitik!

Schwierig wird es m.E. mit alterslosen „limitierten“ Sonderabfüllungen zu enorm hohen Preisen (z.B. Ardbeg Day Abfüllungen, Glenmorangie Limited Editions, Highland Park Valhalla Serie, Bowmore Devils Casks), wenn die Sammler und Spekulanten, die in den letzten zwei Jahren den Whisky Markt hochgetrieben haben erstmal merken, dass hier die „Arbitrage“ nicht mehr so großartig ist, da die Ausgabepreise die Spekulationsluft der letzten Jahre schon beinhalten, wird dieser Markt zusammenbrechen und das finde ich auch gut so!

Whisky ist zum Trinken gemacht, nicht als Altersvorsorge! Der geneigte Whiskygenießer hingegen, sollte das tun, was er mit den bekannten 10, 12 und 15 jährigen Abfüllungen am Anfang seiner Whiskylehrjahre auch gemacht hat! - Die neuen NAS probieren, nüchtern beurteilen, und wenn sie ihm gefallen und für ihn ihren Preis wert sind,...dann kann er sie kaufen, ansonsten eben nicht!