04.08.2016

HEUTE IST DER TAG DES CHAMPAGNERS!

Champagner steht für Eleganz und Qualität, löst Emotionen und Sehnsüchte aus. Doch ist das heutzutage noch zeitgemäß?...eine kritische Hommage von Nils Lackner

Nils Lackner ist Sommelier, Champagner-Experte und Mixologist. Er wird weltweit gebucht, um Master Classes und Seminare zum Thema Champagner zu halten, Events zu begleiten und Proben zu moderieren. Er lebt auf Sylt und betreibt dort die Agentur 'Sommelier & Wine Communications'.

Champagner

...steht für Eleganz und Qualität, löst Emotionen und Sehnsüchte aus. Doch ist das heutzutage noch zeitgemäß? Oder wird das Image des Champagners künstlich hochgehalten, um als Marketing-Tool zu dienen? Wurde er früher noch auf aristokratischen Bällen aus Tiffany-Schalen geschlürft, so wird er heute auf den Afterparties Elektronischer Musikfestivals aus goldenen Flaschen mit LED-beleuchtetem Etikett in die Menge gespritzt. Hauptsache, Instagram und Facebook sehen dabei zu.
Discounter-Ketten liefern sich ein erhitztes Gefecht, wer den besten Schampus im Regal stehen hat und die Oberklasse wird mit High Society-Brause vom Handtaschenhersteller versorgt.
Doch bei aller Schwarzmalerei gibt es auch erfreuliche Gegenbewegungen zu beobachten. Gerade auch in der Barszene erlebt Champagner momentan eine Renaissance. Dabei profitiert die Königin der Schaumweine ganz deutlich vom immer noch stark anhaltenden Trend zur Speakeasy und Classic Cocktail Kultur. Was mit Old Fashioned und Sazerac begann, hat sich bis zum Champagner durchgezogen. Weniger ist mehr. Gradlinige traditionelle Aromen. Hoher Anspruch an Qualität und Nachhaltigkeit. Auf der Suche nach solchen Produkten landen viele Barmanager dann schnell bei kleinen familiengeführten Betrieben. Winzerchampagner ist im Kommen.
Doch was macht den so besonders? Der erste wichtige Punkt ist die Tatsache, dass beim Winzerchampagner Anbau im Weinberg und Ausbau im Keller aus einer Hand stammen, während die großen Häuser die Trauben für ihren Champagner zukaufen. Damit haben wir es mit zwei verschiedenen Motivationen zu tun.
Bin ich Weinbauer, der seine Ernte verkauft und pro Kilogramm bezahlt wird, ist mir Menge natürlich recht wichtig. Verwende ich mein Lesewerk aber im eigenen Produkt, welches dann am Markt gegen eine übermächtige Marktpräsenz der bekannten Marken bestehen muss, spielt die Qualität meiner Trauben eine ganz andere Rolle. Ertragsminderung zugunsten besserer Resultate ist erwünscht.
Auch im Keller herrschen verschiedene Philosophien. Während man sich bei den großen Maisons um Uniformität der Jahrgänge bemüht, ein Produkt soll über Jahre immer gleich schmecken, ist es bei den kleineren Produzenten oft die Handschrift des Winzers, die den Wein ausmacht. Diese kann von minimalistisch über opulent bis zu polarisierend experimentell reichen.Spannend, aber eben nicht immer kompatibel mit einem Mainstream-Gaumen. Somit haben beide Stilistiken auch ihre Berechtigung.
Club Hopper, Beach Bar Bunnies und selbsternannte Mitglieder der Schickeria können vergnügt mit goldenen Labeln posieren, ihr Umfeld per spezieller Champagne-Gun (gibt es wirklich) mit dem Inhalt einer Magnumflasche beschießen und dabei sicher stellen, dass der Nachbartisch auch mitbekommt, wieviel man gerade ausgegeben hat. Oder man gönnt sich ein Glas feinster Perlen eines kleinen Winzers, eine Champagner Cocktail Kreation des Barmannes oder die Empfehlung des Sommeliers. Alles zu seiner Zeit und wenn wir ehrlich sind, beides kann Spass machen.
Ein Beispiel für einen Champagner, den man immer häufiger in der Barszene antrifft, ist das kleine Haus Salmon aus Chaumuzy. Mit einem Fokus auf die Meuniertraube kreiert Alexandre Salmon feine Schaumweine mit viel Power und langer Frische. Seinen 100% Meunier Rosé findet man beispielsweise im Seibert's in Köln. The Rabbithole in Hamburg arbeitet mit Salmon und bei Goncalo im Berliner Buck and Breck hat man ihn auch schon im Schampusschränkchen stehen sehen. Das Basiscuvée Salmon Montgolfière eignet sich hervorragend zum Mixen von Champagner-Cocktails, beispielsweise:

AGRESSIVE & SENSUAL, Mike Landry/Toronto (Instagram: @spiritandspoons)

50ml Woodford Reserve Bourbon
25ml Pfirsichsirup
25ml frischer Zitronensaft
10ml Chambord
3 dash Bittermens Burlesque Bitters
50ml Champagne Salmon Montgolfière

Alle Zutaten außer Champagner shaken.
Champagner dazugeben, sanft rühren.
In Champagnerschale abseihen.
Etwas frische Muskatnuss darüber reiben.

Zusammenfassend kann man sagen, dass Champagner immer noch für Eleganz und Qualität steht, aber eine gehörige Portion Spass dazugekommen ist.
Der Markt wird vielfältiger und interessanter und die Grenzen zwischen groß und klein verschwimmen immer mehr, was auch gut so ist.

Ich schenke mir jetzt erstmal ein Glas Krug Grande Cuvée ein.
Der kommt zwar von einem großen Haus, hat aber alle Qualitäten eines Winzerchampagners.

Santé, Euer Nils Lackner