Trink-Kultur ist Glas-Kultur!

Gläser sind ein wichtiges und komplexes Thema: Man kann daraus eine regelrechte Wissenschaft machen und Kennerschaft aufbauen – oder vortäuschen.

Man kann’s aber auch lassen. Denn eine einfache Maxime genügt, um auf hohem Niveau loslegen und einen guten Drink zu genießen zu können – egal ob Bier oder Spirituose.

Gute Biere und Spirits genießt man, genau wie Wein, wegen ihrer Komplexität und Aromen-Fülle. Für deren Beurteilung ist die Nase wesentlich wichtiger als die Zunge. Deshalb verwendet man tulpenförmige Gläser, denn sie führen die Aromen der Nase zu. Alles Weitere sind aus Einsteigersicht lediglich Variationen ein und desselben Themas.

Wählt im Falle guter Spirits daher ein vorhandenes Sherry- und für Biere ein gutes Weinglas aus Eurem Schrank – that’s it. Sehr ähnlich arbeiten wir auf unseren Festivals: Mit dem Harmony für Spirits und dem Kelch Teku für Bier (beide übrigens von unserem langjährigen Partner Rastal) haben wir tulpenförmige Universalgläser gewählt, die als perfekte Allrounder so ziemlich jeden Stil abdecken.

Warum aber ist die Nase grundsätzlich wichtiger, als der Gaumen? Ganz einfach: Die Zunge kennt lediglich fünf Geschmacksrichtungen (süß, sauer, salzig, bitter, umami). Die Nase dagegen nimmt potenziell hunderte verschiedener Aromen wahr. Im Zusammenspiel zwischen Nase und Gaumen (Stichwort „retronasale Wahrnehmung“) entsteht schließlich der perfekte Genuss.

Die Tulpenform setzt am Boden über eine große Oberfläche Aromen frei, bündelt diese für die Nase und macht damit ein gutes Bier oder eine hochwertige Spirituose zu einem echten Erlebnis auch und gerade für Einsteiger. Egal ob Bier oder Sprit: Probiert Euren Lieblingsdrink einfach mal aus dem heimischen Sherry-, Weiß- oder Rotwein-Glas: Der Unterschied kann so groß sein, dass Ihr Euch im Extremfall fragt, ob Ihr das selbe, schon zig mal getrunkene Produkt vor Euch habt.

Die große Vielfalt angebotener Glas-Modelle beruht – perfekt abgestimmt auf den traditionellen Charakter des jeweiligen Inhalts – auf Variationen des Tulpen-Prinzips.

Auf dieser Basis ist für Interessierte spannend zu beobachten, wie auch die Form des Glasrandes den Geschmack prägt – indem maßgeblich darüber entscheidet, wo die Flüssigkeit auf die Zunge und die dort angesiedelten Geschmackszonen trifft. Ein Extrembeispiel ist der Maßkrug: Ein breiter, dicker Glasrand lässt den Inhalt auf die süße Geschmackszone ganz vorne auf der Zunge fließen. Oktoberfest-Bier zum Beispiel wird extra so gebraut, dass es aus den „typischen“ Gläsern am besten schmeckt. Allerdings geht’s dabei bekanntlich weniger um Degustation, als um Konsumation.

Fazit: So wichtig gute Gläser auch sein mögen – man muss keine Wissenschaft daraus machen. Auch jeder Laie kann durch das Experimentieren mit verschiedenen (idealerweise tulpenförmigen) Gläsern bei seinem Lieblingsdrink sensorisch eine Menge entdecken. Probiert’s doch einfach mal aus!