Noch mehr französischer Einfluss auf der Insel?
Montag, der 9. Juli 2012 | By admin | Kategorien: Divers
Wieder einmal gibt es Gerüchte, dass eine der wenigen unabhängigen Brennereien Schottlands an einen Multi verkauft werden soll. Diesmal ist es Bruichladdich, die in die Hände der französischen Cognac-Giganten Remy geraten sollen. Dabei ist die Whisky-Destillerie aus viktorianischer Zeit erst seit 11 Jahren in Besitz einer kleinen Gruppe von Finanz-Investoren und gilt seitdem als „Independent“. Der Kultstatus, den die Brennerei gleich nach Wiedereröffnung im Mai 2001 erhielt, war sicherlich hilfreich, trotzdem erschien es aber so, als hätten die finanziellen Verhältnisse erst in jüngster Zeit eine gewisse Stabilität erreicht.
Besteht die Gemeinschaft der Anteilseigner also doch bloß aus geldgierigen Heuschrecken, die die investierten Gelder bei der erstbesten Gelegenheit versilbern wollen? Zu verübeln wäre es ihnen nicht, denn das Whisky-Business unterliegt genauso wie alle anderen Finanz-Sparten Höhen und Tiefen. Und der Investor, der nur wegen der Liebe zum Whisky ein verlockendes Angebot ungeprüft zurückweist, ist vermutlich kein richtiger Investor.
Sollte die Tinte unter den Vertrag kommen, werden Konsumenten rund um den Globus vermutlich zunächst einmal aufstöhnen und den Verlust der Unabhängigkeit beklagen. Zu frisch sind noch die Erinnerungen an den Übernahme-Deal in Irland, als sich Beam im vergangen Dezember Cooley, die einzige unabhängige irische Brennerei, einverleibt hatte. Doch die befürchteten Veränderungen sind dort bislang ausgeblieben, die Transaktion ging relativ lautlos über die Bühne. Trotzdem ist eine gewisse Grundangst der Laddie-Anhänger zu verstehen. Mit Remy hätte neben Moët Hennessy ein weiteres französisches Unternehmen auf Islay die Finger im Spiel. Fraglich ist auch, ob Remy den speziellen Laddie-Stil, der die Brennerei erst zum Kult-Objekt hat werden lassen, weiterverfolgen würde und so das besondere Flair erhalten bliebe.
.. und dann wäre Kilchoman plötzlich allein auf weiter Flur, um die Fahne der Unabhängigkeit auf Islay hoch zu halten. Aber die gibt es ja auch erst seit 6 Jahren. Mal sehen, wie lange es noch dauert, bis deren Unabhängigkeit weniger wert ist als ein Multi bieten will.





Sorry, liebe Julia, aber das ist Bullshit!
Noch nie hat ein Jumbo (oder “Heuschrecken”; wie Du das schreibst) die Individualität und Typizität eines renommierten Single Malts verändert – sie hätten ja auch Tinte gesoffen, wenn sie solches im Schilde führen würden. Bestes Beispiel: erst Moet-Hennessy hat mit seiner Kohle die Entwicklung (und den höchst erfolgreichen – Wiederaufbau) von Ardbeg und Glenmorangie so vorangetrieben, dass die Marken da stehen, wo sie heute sind; Gleiches gilt für Morrison Bowmore (oder bist Du wirklich der Meinung, dass Suntory sich da massiv eingemischt hat, dass sich eine Rachel Barrie das gefallen lassen hätte oder würde?
Zu Remy: Ich glaube kaum, dass die Franzosen jemals qualitativen Einfluss auf Bruichladdich und vor allem Jimmy McEwan erlangen könnten, es sei denn, sie schmeißen ihn raus – und davor werden sie sich hüten!; und das dürfte auch kaum das Ziel der Nummer 2 der Cognac-Welt sein. Ich denke, wenn alle Whiskyfans so unken würden wie Du (auch schon in Deinem Beitrag zu Cooley!), dann wären nach kürzester Zeit nur noch Freaks, die ausschließlich Single Malts ab einem Alter von 30 y.o. aufwärts zu sich nehmen (und ihn sich leisten können), übrig. Und was erzählst Du dann den Leuten in Deinen Tastings, die noch nicht einmal Johnnie Walker von Petroleum unterscheiden können?
Liebe, aber verwunderte Grüße von
Obi
DANKE JULIA,
…..dass Du eine – siehe beide Beiträge oben – auch unter Szene-Profis offensichtlich ebenso engagierte wie kontroverse Diskussion losgetreten hast – die (Wink mit dem Zaunpfahl, Obi
…) “Temperament-technisch” und verbal bitte im Rahmen zu bleiben hat.
Denn was sie denn WIRKLICH bedeutet, die Globalisierung im Whiskybereich, mag man in der Tat kontrovers diskutieren. Aus Sicht eines Festival-Veranstalters sehe ich die Dinge pragmatisch:
1. Das, was große Marken “groß” macht und bleiben läßt, ist in allererster Linie großartiger Whisky, nicht, welcher der Global Player “dahinter” steht.
2. Das, was große Marken “groß” macht und bleiben läßt, ist ferner ihr “Kult”. Ein Konzern müßte mit dem Klammerbeutel gepudert sein, diesen Kult zu ruinieren – weil er dann eines der beiden wichtigsten “Assets” der Marke ruiniert.
3. Ich erinnere mich an das Geschrei gerade (!) der Freaks, als Ardbeg damals zu Moet-Hennessy gewandert ist. Hat’s der Marke geschadet? Definitiv nein.
4. Ich erinnere mich an das Geschrei gerade (!) der Freaks, als Glenmorangie mit den neuen “Weinflaschen” rauskam. Nachdem selbige geöffnet wurden, war ganz schnell Ruhe: weil großartiger Stoff drin war (siehe oben Punkt 1). Alles zusammen – neue Flaschen UND toller Whisky UND neues Marketing – haben der Brennerei zwischenzeitlich zu jeder Menge neuer Popularität verholfen….und zwar weltweit.
5. GERADE die Laddie-Liebhaber haben die immense Vielzahl der Abfüllungspolitik unter Jim hoch kontrovers diskutiert – und sahen den Kult-Charakter der Brennerei eben dadurch hochgradig gefährdet.
6. DAS FSF ist inzwischen eine der größten Veranstaltung dieser Art in Europa. Das letzte mal, dass Bruichladdich bei uns ausgestellt hat, war 2008. Das ist absolut legitim. Dennoch bemühen sich seither Clubs/Szene, Festival-Besucher und Veranstalter ebenso vehement wie vergeblich, Laddie wieder nach München zu holen. Wenn in diesem Fall ein Eigentümerwechsel Laddie wieder nach München bringen sollte – so be it!!!
Fazit:
Entscheidend ist für eine Brennerei, ob Leute am Werk sind, die die Marke spüren. Und zudem die Zahlen im Blick haben UND wissen, wie beides im internationalen Wettbewerb nach vorne zu schaukeln ist. Ob diese Leute als “Independents” agieren oder bei einem Global Player sitzen, ist dafür m.E. nicht vorrangig entscheidend: Leute wie Jim UND der “Wumms” eines Global Players im Rücken…..das wäre doch im Zweifel ein spanendes Experiment!
Hallo Obi
Also mit Bullenscheisse kenne ich mich bestimmt besser aus als Sie. Davon gibt es hier im Appenzellerland genug, sogar vor der Destille des Säntis Malts. Einen negativen Einfluss auf unseren Whisky hat sie auch nicht, jedoch würde ich damit, auch nicht verbal, auf Frau Nourney werfen. Ansonsten stimme ich Ihnen zu und glaube, das Jim mit ein paar Schottischen Pfund mehr im Rücken, ruhiger schlafen wird, was wiederum seiner Kreativität zu Gute kommen wird.
Sonnige Grüsse aus dem Appenzellerland
Detlef Sommer
…okay, okay – ich nehme den “Bullshit” zurück (schmeissen wollte ich sowieso nicht damit) und nenne es stattdessen “kontraproduktiv” – nix für unguat!
Obi