Papier ist geduldig – Part 2.0
Dienstag, der 10. Januar 2012 | By Andreas Till | Kategorien: Divers
Obwohl ich grundsätzlich nicht der Konsument von Restaurantführern bin, ist mir der Vorzug eines solchen Werkes für Besucher einer fremden Stadt oder einer unbekannten Szene durchaus bekannt. Ebensolch ein Nutzer dieses Nachschlagewerkes machte mich über einen Beitrag in einem der namhaften Foren aufmerksam, der den Besuch einer Bar namens Pacific Times beschreibt. Und obwohl ich Mitinhaber dieser Bar bin, liegt es mir normalerweise fern, auf solche Beiträge zu reagieren, doch sei es mir gestattet, stellvertretend für alle geduldszerreißenden Beiträge, den Inhalt hier darzulegen.
Die sprichwörtliche Geduld des Papier, wird nur noch von einem Medium übertroffen, dem Internet. Das erlaubt sogar mir die Stimme in Richtung einer nicht ganz genau auszumachenden Schar zu erheben. Aber zurück zur Rezension – übrigens ein viel zu schönes Wort für das, was oft dabei heraus kommt:
Lieber Marcus 833 aus Pfaffenhofen,
In Deiner Kritik bewertest Du mein Lokal mit 2 von 5 Sternen. Dabei betonst Du ausdrücklich, dass die Location “super-schön” ist und Du dafür 1 Stern vergibst. Einen weiteren für die Küche, welche “mit großem handwerklichen Können” zu Werke geht. Außerdem lobst Du die Weinkarte und das Preis- Leistungsverhältnis. Das ist für mich mehr als die Hälfte!?
Wahrscheinlich wertest Du die Cocktails doppelt – schließlich handelt es sich um eine Bar! Stimmt!
Und da Du Barkeeper mit “über 10 Jahren Erfahrung” bist, kannst Du das “sehr wohl bewerten als auch analysieren” – Man darf gespannt sein!
Um es kurz zu machen – die Drinks waren allesamt so schlecht, dass Du sie “nur schwer” oder “absolut nicht” runtergebracht hast. Wahrscheinlich, weil wir keine “Notwendigkeit” darin sehen, “sie zu probieren”. Trotzdem hast Du derer gleich 7 Stück verkostet!?! Du wolltest uns nur eine weitere Chance geben? Und noch eine. Und noch eine.
Und wir haben Dein Misstrauen missbraucht und Dir als “Gipfel” einen Old Fashioned serviert! Dieser war so schlecht, nicht einmal “Orangensaft” konnte ihn retten! Wie denn auch? Da gehört nun mal keiner rein! Oder ich schaue mir das mal in Deiner Bar an?!
Aber die Krönung des Abends sollte erst noch kommen; die Rechnung. Da war alles darauf! Richtig, wir sind da ziemlich reaktionär: was bestellt wird, wird bezahlt. Sollte einmal ein Drink misslingen – und das passiert sehr wohl, wir sind keine Maschinen- tauschen wir ihn selbstredend aus, so wie mein Kollege, der fragte, ob Du “etwas anderes möchtest”! Allerdings machen wir das normaler Weise nur, wenn der Drink daneben ist und nicht der Geschmack des Gastes.
Vollends verständnislos standest Du dann der Situation gegenüber, dass mein Kollege kein Trinkgeld annehmen wollte. Wofür auch? Warst Du zufrieden? Nein! Also warum? Trinkgeld ist eine freiwillige, finanzielle Aufmerksamkeit für eine zufrieden stellende Leistung…
Lieber Marcus 833 aus Pfaffenhofen. Ich empfehle Dir, Trinkgeld nur zu geben, wenn Du zufrieden warst, in den Old Fashioned keinen Orangensaft “in Summe” zu geben, vielleicht noch 10 weitere Jahre Erfahrung als Barkeeper zu sammeln, nach 2 schlechten Drinks aufzuhören und nicht erst nach 7 …
…und keine 2. Restaurantkritik zu schreiben!
Gruß nach Pfaffenhofen.




