Der Gast ist König!?

Montag, der 14. November 2011 | By | Kategorien: Allgemein, Divers

Oliver von Carnap

Kürzlich musste ich mich meinen Chefs gegenüber rechtfertigen, weil ein Gast in einer online Bewertung über unser Hotel geschrieben hat, ich hätte ihn beleidigt. Und in der Tat: ich habe ihn beleidigt! Ich habe ihm gesagt, ich würde lieber kein Geld verdienen, als seines.

Der Hintergrund: er war Gast in unserem Hotel während der ,Wiesn‘ und ist, wie er sagt: ,having been out all day enjoying the festival‘, ziemlich stark alkoholisiert zurück in die Bar gekommen.

Im Lux findet ein recht hochpreisiges Restaurantgeschäft statt. Ich gebe zu, die Lage dafür, zwischen Hofbräuhaus und Mc Donalds, ist dafür nicht optimal geeignet, aber immerhin obliegt es auch uns, den Betreibern, welche Art von Gastronomie wir wo machen.

Gerade deshalb versuche ich auch denjenigen Gästen, die zu uns kommen um hier unser Angebot zu genießen einen möglichst schönen Abend zu machen. Das sind diejenigen Gäste, die unser Qualitätskonzept verstanden haben. Für diese Gäste mache ich meinen Beruf!

Wenn nun ein sturzbetrunkener Hofbräuhausgast zu mir in den Laden kommt, kann ich nicht nur, sondern muss ich diese Leute fern halten. Herrn Schumanns Maxime, die ich als junger Barmann einst gelesen habe, ,bei mir ist jeder Gast willkommen‘, funktioniert vielleicht nur in der Maximilianstraße, wo zu dieser Zeit das Schumanns war und man wohl ein recht ,homogenes Gastbild‘ hatte.

Auch die Aussage: ,ich bin Hotelgast‘, kann ich in diesem Moment nicht gelten lassen. Schließlich hat der Hotelgast ja nicht die Bar reserviert, sondern das Hotelzimmer, in das ich froh wäre, würde sich der Gast in diesem Moment auch begeben.

Ist der Gast also König?

Nein. Nicht gezwungener Maßen, der Gast ist König, wenn er sich anständig aufführt. Per se bin ich ein recht freundlicher Mensch und dem Gast zunächst auch wohlwollend gegenüber eigestellt, sobald er aber gewisse Hoflichkeitsforme(l)n nicht beherrscht und die Atmosphäre in meinem Laden zu verpesten droht, werde ich nicht zögern in unvermittelt hinaus zu komplimentieren.

Wir Gastronomen sind keine Dienstleister, wir sind im Gastgewerbe. Für mich beinhaltet das, daß der Gast sich auch wie einer benehmen sollte. Ich, als Gastronom bin kein Diener, ich bin Gastgeber. Ich versuche jeden Abend meinen Gästen einen besonderen Abend zu machen. Störenfriede haben dabei nichts verloren. Als würde man eine Cocktailparty machen zu der eine Gruppe Hooligans kommen…

Zum Glück allerdings sammeln sich diese Hooligans nur einmal im Jahr für zwei Wochen und man weiß, was man zu erwarten hat. In diesem Sinne: Kräfte sammenln für die ,Wiesen‘ 2012!

ollie

3 Kommentare Über
“Der Gast ist König!?”

  1. Gerhard sagt:

    Recht hast Du Oli,
    allerdings könnte man auch sagen eben weil der Gast König ist, müßen wir ihn vor angetrunkenen Besuchern (oder auch Hotelgästen) schützen. Also die Maxime wäre nur anders auszulegen. Ich denke selbst im Schumanns wird so gehandelt.

  2. Ich kann dieser Meinung nur beipflichten…
    Wenn ich als Gast in einer Gaststätte, sei es Speiselokal, Cafe oder Bar meine Freizeit geniessen will, dann bin ich immer froh, wenn ich das auch ungestört tun kann. Und ich ziehe meinen Hut vor jedem Gastgeber, der es im Kreuz hat, dies auch durchzusetzen….

    Vor ca. 15 Jahren war ich mit meiner Frau in einem winzigen, ca. 25 Sitzplätze großen Restaurant in Südtirol. Gehobenes Ambiente, gehobene Preise… Nur ob das Essen auch gut war. das kann ich nicht sagen, denn mitten im Raum sass ein deutsches (natürlich…) Ehepaar, ca. 45 Jahre alt. Der Mann mit Cowboyhut auf dem Dummschädel (ich wollt schon fragen, ob ihn die Mickerfunzel an der Decke blendet) und zündet sich eine ZIGARRE an, so groß wie ein deutsches U-Boot ausm letzten Krieg. Innerhalb von Sekunden war der ganze Raum eingenebelt und hat gestunken. Alle anderen Gäste haben sich aufgeregt, ich habe ihn gebeten, nach draussen zu gehen, und er hat mich angepöbelt. Der Kellner hatte nicht den Arsch in der Hose, den Pöbel rauszuscheuchen. Da sind wir gegangen… In einer Bar hätts mich nicht gestört.

    Wo die Rechte des Einen beeinträchtigt werden, enden die Rechte des Anderen. So sehe ich das. Jeder Gast hat das Recht auf die Rücksichtnahme des anderen Gastes. Und wer nicht spurt, fliegt…

  3. Nur wer sich wie ein Koenig benimmt, darf erwarten, wie ein Koenig behandelt zu werden! Alle anderen sind und bleiben aufgeblasene Moechtegerns – Haben Geld, aber keine Erziehung.

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