Die Blindverkostung

Samstag, der 29. Januar 2011 | By | Kategorien: Allgemein

Viele Whisky-Liebhaber fühlen sich persönlich beleidigt, wenn man ihnen einen Blend anbietet. Egal wie alt oder exklusiv dieses Produkt auch sein mag, man erntet einen vernichtenden Blick und wie aus der Pistole geschossen kommt der Satz, den man nicht anders erwartet hat: „Ich trinke nur Single Malt!“

In leichter Abwandlung funktioniert das auch, wenn man einen Bourbon oder einen irischen Whiskey offeriert. Die nun folgenden Worte werden einem fast empört entgegengeschleudert: „Ich trinke nur Scotch!“ Die Betonung liegt jeweils auf „ich“ und „nur“.

Respektvoll verneige ich mein Haupt vor den Marketing-Profis aus Schottland, die es geschafft haben, ihren Produkten den Nimbus von einzigartiger Qualität und Exklusivität zu verleihen. So ganz mag ich mich damit aber nicht zufrieden geben. Aus eigener Erfahrung weiß ich nämlich, dass es jenseits von Scotch und Single Malt viele hervorragende Produkte gibt, die es wert sind, probiert zu werden. Was bleibt also anderes, als viele Genießer, die nicht bereit sind über ihren Tellerrand zu schauen, zu ihrem Glück zu zwingen?

Am Besten funktioniert das im Rahmen einer Blindverkostung, wenn die Teilnehmer nicht durch klangvolle Markennamen abgelenkt werden, sondern sich nur auf ihren eigenen Geschmack verlassen können. Es ist für mich immer wieder ein innerer Partei-Tag, wenn sich der Teilnehmer vom Typ „Ich trinke nur Single Malt“ am Ende einer Whisky-Verkostung entspannt zurücklehnt, verträumt sein Glas in der Hand hält und fast schnurrend feststellt: „So gut kann einfach nur ein Single Malt schmecken!“

21, 22, 23…. „Äh, Entschuldigung! Hatte ich das noch gar nicht erwähnt? Das ist gar kein Single Malt!“ Schlagartige Stille! Plötzlich sind alle wieder nüchtern! Die wohlig wärmende Wirkung von acht gut gefüllten Gläsern ist augenblicklich vorbei! „Wieeeee? Kein Single Malt?“

Ich lebe gefährlich, denn irgendwann gerate ich mal an Einen, der mir das wirklich übel nimmt. Bisher hatte ich immer Glück und die Teilnehmer haben sich lachend selbst eingestanden, dass ihnen – ohne die geschmacksbeeinflussende Wirkung des Etiketts – ein Blend, ein Bourbon, ein irischer Whiskey, vielleicht sogar ein Rum oder Cognac diesmal besser geschmeckt hat. Für Viele war es der Beginn einer wunderbaren Freundschaft mit anderen Spirituosen, andere haben auf diese Weise plötzlich ihren jugendlichen Entdeckergeist wiedergefunden und sich in für sie unbekannte hochprozentige Gefilde aufgemacht. Gute Reise!

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